Die letzten paar Monate waren wechselhaft, Stillfrequenzen kurz, wie immer, die Entwicklungsschübe brachten Angstgefühle bei Maike mit sich, die sie eng an Mama banden und zu 1,5-stündigen Invervallen bei den „Tankausflügen“ führten. Zeitweise aß sie sonst fast gar nichts oder nur mal ein Stück Apfel oder Birne. Es war spärlich. Sorgen machte ich mir nicht, es gab ja Mamas Milch und das Kind gedieh weiter prima, war voller Elan und aktiv.

Seit einer Woche nun habe ich wieder das Scheunendrescherfeeling. Es wird gefuttert, was das Zeug hält, aber bitte mit Löffel und Gabel gefüttert werden! Die kleine Maus möchte gerade gar nicht so gern allein essen, lieber auf Mamas Schoß und gefüttert werden. Sie kann den beladenen Löffel zum Essen benutzen und bekommt es hin und wieder auch schon hin, selbst was aufzuladen, aber diese Fähigkeit reicht noch nicht fürs richtige Essen. Sie kann auch Nahrung mit der Gabel aufspießen und essen. Maike möchte dennoch lieber gern gefüttert werden. Nebenbei muss sie aber dennoch in schöner Regelmäßigkeit alle 1-2 Stunden stillen. Sie meldet das mit den Worten „Memmem“ oder „Mammam“ an, während sie beim Essen von „Nemnem“ spricht und „Mmmhhh“ (mit zusammengekniffenen Augen) macht, wenns ihr schmeckt. Sehr süß.

Vorsicht vor Speisen

Maike hat irgendwann begonnen, kritisch zu werden, ob etwas essbar ist. So müssen wir ihr bei unbekannteren Speisen immer erst einmal zeigen, dass wir sie auch essen, bevor sie sie probiert. Sie „fragt“ auch, bevor sie versucht, etwas zu essen, ob das auch ok ist. Hat sie das OK oder wurde das unbedenkliche Essen vorgemacht, ist es sofort für sie in Ordnung. Dann prüft sie zunächst ein kleines Bisschen im vorderen Mundbereich, bevor sie „reinhaut“, wenn es ihr schmeckt. Selten lehnt sie nach dem Probieren komplett ab.

Das Scheunendrescherprinzip hat dazu geführt, dass sie innerhalb weniger Wochen wie eine ganz Kleine mehrere 100g zugenommen hat und sich nun von unten über die 3%-Perzentile zur 5%-Perzentile heraufgearbeitet hat. Gewachsen ist sie dabei ebenfalls in einem Monat ganze 6cm, bei ihrer geringen Größe (Geburt 48cm, jetzt 72cm) ist das ziemlich viel. Es bestätigt mich in der Annahme, dass diese Beikostmethode nebst „Langzeit“stillen gut für das Kind ist. Optisch passen Gewicht (knapp 8kg) und Größe super zusammen, das Kind ist agil, beweglich, hat an den Oberschenkeln die passenden Fettreserven, ist aber nicht dick. Perfekt in Form sozusagen.

Mir kommt dabei auch das Zitat von Gill Rapley ein: „Babies are natural grasers“, also sie grasen natürlicherweise, unsere Babies, und es ist die Frage, ob Vielessmahlzeiten überhaupt zur artgerechten Menschenhaltung zählen. Da gehen die Meinungen ja sehr auseinander. Maike jedenfalls hat zudem sehr wenig Zeit zum Essen, denn sie muss die Welt entdecken, das Essen hat sie schon zur genüge ausgekundschaftet, andere Dinge sind gerade viel wichtiger. Unabhängig davon kommt sie immer wieder vorbei und holt sich Apfel- oder Birnenstücke, Brot, Hirsebrei, übriges Mittagessen, Banane oder Tomate ab. Die Mahlzeiten nutzt sie schon zum Essen, aber das geht nicht lange, dann muss wieder die Welt entdeckt werden. Maike steht dann in ihrem Stuhl auf, was wir versuchen, ihr abzugewöhnen, aber sie kann eben auch noch nicht sagen, dass sie fertig ist.

Fleisch isst Maike nur sehr vorsichtig, meist gar nicht. Sehr zartes Geflügel nimmt sie manchmal. Fisch hat sie lieben gelernt und futtert ihn fast gierig.

Interessant finde ich, dass sie oft direkt im Anschluss an eine Mahlzeit gestillt werden möchte. Ich könnte mir vorstellen, dass das beim Verdauen immer noch hilft. Man kann zwar im Stuhl nicht mehr ganz so leicht wie am Anfang ausmachen, was gegessen wurde (außer z.B. Tomatenschalen und grünen Pflanzenteilen oder Maiskörnern), jedoch merkt man an der unterschiedlichen Stuhlkonsistenz, dass das Verdauen eben doch noch ein weiterhin auszubauender Vorgang ist. Mal ists recht hart, mal sehr weich, mal mehrmals täglich, mal auch nur alle zwei Tage. Immer denke ich dann an die vielen Babies, die diese Vorgänge ohne Mamas Milch bewältigen müssen und freue mich, dass wir es so machen konnten, wie es Gill Rapley in ihrem Buch vorgeschlagen hat.

Mittlerweile würze ich noch kräftiger. Mit Pfeffer geht das gut, es macht ihr nichts, wenns scharf wird, aber mit Chili muss man vorsichtig sein, Das beißt wohl zu sehr. Auch mit Salz bin ich nicht mehr ganz so asketisch wie vorher. Wir essen salzarm, aber nicht mehr salzlos.

Zu trinken gibts weiterhin stilles Wasser. Damit ist Maike sehr zufrieden und trinkt meist auch aus eigenem Antrieb gern.

Vorlieben:

Der Geschmack wechselt, nicht immer „mag“ Maike dasselbe, aber es gibt bei aller Vielfalt doch gewisse Tendenzen: Tomateninneres, Hirsebrei, Zucchini, Apfel, Birne und Ei sind klare Favoriten, die oft sehr gern un in größeren Mengen gegessen werden. Bei Ei fällt mir auf, dass Maike eine natürliche Sperre hat. So gern sie es isst, auf einmal möchte sie dann nicht mehr davon. Eiweiß isst sie in der Regel lieber als Eigelb. Kohlarten scheinen auch durchaus erwünscht zu sein. Kohlrabi, Wirsing, Spitzkohl und sogar Weißkohl wurden gern genommen. Es gibt sie bei uns nicht jeden Tag ;-).

Was machen wir anders als es bei Baby-Led-Weaning vorgeschlagen wird:

Wir füttern Maike, wenn sie das möchte.

Wir loben sie, wenn ihr der Umgang mit dem Besteck gut gelingt oder wenn sie Nahrungsstücke, die sie nicht essen möchte, neben den Teller legt, statt sie runterzuwerfen.

Was finden wir nach einem guten halben Jahr Erfahrung mit dieser Methode wichtig:

Nie Zwang ausüben oder nötigen! Maike darf immer ablehnen (sie schüttelt dann vehement den Kopf), egal ob Essen oder Trinken. Es kommt nicht darauf an, ob sie viel gegessen hat oder nicht. Signalisiert sie, dass sie nicht mehr möchte, ist das ok und sie kann nach der Lätzchen-ab-und-Waschprozedur auf zu neuen Taten schreiten.

Mahlzeiten werden wichtig genommen (alle setzen sich gemeinsam an den Tisch etc.), aber das Kind darf „los“, wenn es nicht mehr sitzenbleiben möchte.

Lob dreht sich nie um die Essmenge oder Trinkmenge oder um das, was (nicht) gegessen wird. Gelobt wird sozial angemessenes Essverhalten, aber auch das sehr in Maßen, getadelt wird nicht.

4. Wann immer das Kind es selbst tun möchte, wird das sofort unterstützt (aber es wird nicht erzwungen).

5. Essen darf untersucht werden. Z.B. musste einmal die Bananenschale ganz besonders ausführlich unter die Lupe genommen werden.

Ein Wort noch zur Umwelt:

Die meisten Leute in unserer Umgebung finden merkwürdig, dass wir unser Kind so essen lassen, wie wir es tun. Oft höre ich schon ungläubige Kommentare, weil ich nicht vorhabe, das Kind abzustillen. Dann muss ich mir häufig Lektionen darüber anhören, wie wichtig Kuhmilch für das Kind sei und dass es unbedingt Fleisch essen müsse, man könne ja, wenn das Kind es sonst nicht täte, Hackfleisch nehmen. Wie kann ich den Leuten erklären, dass ich den Willen und das Essgefühl meines Kindes respektiere und ihr vertraue, dass sie selbst am besten weiß, was sie braucht, SO LANGE SIE NOCH GESTILLT WIRD. Das ist meiner Meinung nach die unbedingte Voraussetzung.  Es ist nicht immer leicht, die ewig mahnenden Stimmen auszuhalten, die es nicht besser wissen als sie es selbst kennengelernt haben.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht und glücklich, wie einfach das Essen sich gestaltet, weil wir die komplizierte und meiner Meinung nach auch angstbesetzte Breifütterei nicht betreiben (müssen) und noch dazu stillen. Im Stillcafé höre ich immer wieder die Sorge, das Kind esse zu wenig und man wolle doch langsam weniger stillen. Dann denke ich jedes Mal, dass das sehr schade ist, weil das Weiterstillen zwar eine Einschränkung bedeutet, aber doch den Alltag an vielen Stellen einfacher macht und auch die Angst ums zu wenig Essen nimmt. Baby-led-Weaning lässt sich nicht getrennt vom längeren Stillen sehen, wie ich finde. Es lohnt sich, auch hier Informationen einzuholen und sich Selbstsicherheit zu verschaffen.