Die ersten Erfahrungen waren spannend, und so ging es mit Maike weiter: Sie ist nun 9 1/2 Monate alt und isst nennenswerte Mengen unseres eigenen Essens.

Wir haben uns dafür entschieden, unter den Tisch so einen Schutzkunststoff für Schreibtischrollstühle zu legen, so dass alles, was herunterfällt, leicht abzuwischen geht. Das ist eine gute Lösung, wenn man unter dem Tisch Teppich hat.

Maike hatte von Anfang an begriffen, dass es ums Essen geht, und sie konnte gleich recht erfolgreich und mit viel Freude essen. Wir sind dann langsam von gedünsteten Obst- und Gemüsesticks zu „richtigen Mahlzeiten“ übergegangen.

Ein Beispieltag:

Frühstück: 2 Stückchen Brot mit Kürbiskern- und Sesammus (auch Haselnuss- und Mandelmus eignen sich gut), mehrere Himbeeren, Erdbeeren, Aprikosenspalten, Blaubeeren, manchmal etwas Joghurt mit Obst frisch eingerührt. Etwas Käse. Dazu ein Becherchen Wasser.

Wasser: Anfangs hat Maike damit vor allem gespielt. Als Stillkind braucht sie nicht extra zu trinken. Mittlerweile übt sie zu schlucken, wobei das wohl nicht ganz einfach ist, vor allem mit „5 Pfund im Mund“, was sie gern macht. Oft muss sie danach aufstoßen und macht sehr undamenhafte Geräusche. Sie übt weiter. Toll findet sie, mit dem Wasser und Stimme zu blubbern. Ich könnte mich dabei jedes Mal wegwerfen vor Lachen. Ganz wunderbar eignet sich dafür übrigens ein Eierbecher. Babytrinkbecher sind zu groß, es ist schwer, sie zu halten, so als müssten wir aus einem Bierfass trinken. Den Eierbecher hält sie mit Hilfe selbst fest, und er ist größenmäßig angemessen.

Vormittagssnack: Reiswaffel, etwas Obst, Wasser

Mittagessen: Nudelpfanne mit Gemüse (z.B. Zucchini, Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch in Maßen) gut gewürzt mit Pfeffer, Kräutern, ganz wenig Chili. (Sie liebt es. Da heißts „dig in“), Wasser

Nachmittagssnack: Brötchen und Obst

Abendessen: Gefüllte Tomaten (mit Hack-Zwiebel-Eifüllung) mit Reis und Tomatensauce. Zum Nachtisch Obst und Beeren, große Auswahl. Wasser.

Ich habe natürlich damit einiges zu tun, aber ich schneide auch Obst und Beeren im Voraus und lagere sie bis zu einem Tag im Tuppertopf im Kühlschrank. Ebenso koche ich Abends immer mehr als gebraucht wird, so kann ich das am nächsten Tag leicht abgewandelt noch mal für uns beide als Mittagessen anbieten.

Andere Gerichte, die Maike schon gegessen hat: Rehbraten mit Rotkohl und Semmelknödeln, Linsenchili (das hat schon Blähungen beschert, trotz würzen mit Bohnenkraut), Kartoffelauflauf, Nudelauflauf, „Fisch Santa Cruz“ (mit Oliven-Kapern-Sauce) Bohnengerichte, Erbsengerichte… eigentlich alles, was man so machen kann. Alles wird gut gewürzt, nur das Salz lassen wir weg. Wir würzen es uns selbst nach Belieben mit Salz nach. Mittlerweile essen wir deswegen auch schon salzarm, und es fällt uns auf, wenn auswärts viel gesalzen wird. Es wird uns selbst auch nicht schaden.

Teller: Wir verwenden den Deckel einer großen, hitzefesten Glasauflaufschüssel. Er ist rund, hat einen kleinen Rand und ist schwer genug, dass Maike ihn nicht mal schnell herunterwerfen kann. Wenn sie ihren eigenen Platz bekommt, werde ich den Teller mit ein paar Punkten Uhu Pattafix ankleben. Das lässt sich restlos entfernen und wiederverwenden.

Esstechniken: Durch die kommenden Zähne hatte Maike zwischenzeitlich ein bisschen Probleme, harte Sachen zu kauen, so aß sie manchmal fast nichts, zu anderen Zeiten suchten wir das Loch, aus dem bei ihr unten wieder alles rausfiel, weil sie oben so viel hineinstopfte. Ihre Technik ist nun ausgefeilter, aber sie ist auch nicht mehr so engelsgeduldig wie am Anfang. So kann sie eine Blaubeere gut mit Pinzettengriff nehmen und legt sich auch ihre Speisen von einer Hand in die andere, damit es besser geht. Wenn ihr das Aufnehmen nicht so gut gelingt (müde, abgelenkt), ist sie nun manchmal genervt. Dann greift sie einfach „in die Vollen“ und stopft sich eine Handvoll Essen wahllos in den Mund. Dabei fällt dann viel daneben. Das ist dabei.

Maike hantiert mit dem gefüllten Löffel (Geduldsprobe, weil lange große Schweinerei, seufz) ganz gut herum. Sie kann eigentlich alles, was ich ihr anbiete, selbst sicher greifen und fängt mit den ersten drei Schneidezähnen an, Dinge abzustreifen und abzubeißen. Tomaten nimmt sie in den Mund, hält sie mit den Fingern so fest, dass sie alles Essbare von der Schale abstreifen kann, die dann fallengelassen wird. Ich versuche sie dazu zu bewegen, diese Dinge in den Teller zurückzulegen, indem ich sie lobe, wenn sie es mal macht. 1 von 6 Mal klappt das. An dieser Stelle denke ich nicht, dass es schadet, wenn man lobt und entsprechend eingreift. Hier stimme ich Jill Rapley nur bedingt zu, wenn sie sagt, man möge gar nicht kommentieren. Ich lobe mein Kind ja auch, wenn es an anderer Stelle erfolgreich ist, das motiviert und beflügelt Maike offensichtlich. Warum also nicht auch hier. Allerdings stimme ich zu, dass die Menge oder Auswahl des Essens in der Tat unbeeinflusst bleiben sollte, weder durch Lob noch durch Tadel (der ja an dieser Stelle ohnehin immer kontraproduktiv wäre).

Sitzen: Bisher sitzt sie auf unserem Schoß, aber wir haben den Stokke Tripp Trapp nun bestellt und bald kann sie endlich selbst sitzen. Langsam ist sie soweit. Ich muss sagen, es war immer sehr gemütlich, mit ihr auf dem Schoß zu frühstücken, wir haben das beide genossen. Langsam merke ich aber, wie sie „älter“ wird und selbstständiger sein will, sie zappelt auf dem Schoß mehr herum und will eigenständiger werden.

Helfen: Wir haben uns dafür entschieden, dass wir Maike schon mal helfen, wenn sie z.B. mal müde ist und so schnell frustriert, dass es nur nervig ist. Dann geben wir ihr etwas in die Hand oder sie benutzt unsere Finger als „Gabel“. Warum auch nicht? Maike signalisiert, dass sie fertig ist, indem sie (bei guter Laune) einfach den Teller wegschiebt, (bei schlechter Laune) sich windet und quakt. Beides ist ok, dann wird’s Lätzchen abgebunden und Hände und Mund gewaschen. Das klappt super, seit ich ihr einen Tuchzipfel zum Lutschen nach dem Abwaschen gebe.

Windel: Maike hatte schon immer so ein Thema mit ihren Ausscheidungen. Von Anfang an war „Kackimachen“ mit Drücken und Mühsal verbunden. Das hat sich nicht geändert. Ihre Ausscheidungen sind recht trocken, manchmal richtige „Ködel“, aber sie macht regelmäßig und ihr Bauch ist nicht gebläht, auch die Fontanelle ist o.k. Anfangs fand ich alle geschluckte Nahrung quasi komplett im Stuhl wieder, mittlerweile ist es viel weniger, mal Tomatenschalen oder Kerne, aber vieles wird schon gut verdaut. Konnte man zu Beginn zum Beispiel ganze Zucchinistücke „ausgraben“, so sind nun keine Stücke mehr zu finden, es ist ein erwachsenenähnlicher Stuhl von der Konsistenz her, der lediglich farbliche Nuancen zeigt, unverdauliche Kerne und Schalen komplett wieder auswirft und erstaunlich wenig riecht, was mich nach allen Warnungen sehr überrascht hat. Eine Anmerkung zu Kristinas letzten Berichten: Die Enzyme mögen schon da sein, aber die Mikroorganismen sind es nicht, ohne die eine erfolgreiche Verdauung nicht möglich ist. Sie werden bei der natürlichen Geburt von der Mutter mitgeliefert, so dass dann meist auch nach Beikosteinführung schneller mit erfolgreicher Verdauung zu rechnen ist als bei Kaiserschnittkindern. Bis zur Beikosteinführung herrscht eine Milchsäurebakterienflora, die sich nun ändern muss. Das kann ein bisschen zwicken auf dem Weg zum Ziel und dauert etwas.

Stillen: Wir stillen noch immer in 1-3-stündigen Abständen, außer nachts, da gehts zwischen 5 und 7, einmal sogar 9 Stunden. Maike gibt dabei den Bedarf an, der sehr unterschiedlich ist. Ich kann nicht erkennen, dass sie durch die erhöhte Nahrungszufuhr von außen und die bessere Verdauung weniger stillt. Nebenbei erwähnt empfiehlt die WHO, 2 Jahre oder mehr zu stillen, was bei uns in Deutschland wohl noch längst nicht in den Köpfen der Menschen angekommen ist. So hören wir in unserem Umfeld immer wieder Stimmen, die sagen, wir müssten doch endlich abstillen. Manche finden das sogar langsam unanständig. Dabei ist das Kind noch nicht einmal ein Jahr alt. Wenn man breifrei füttert, sollte man sich auch darauf gefasst machen, dass das Umfeld nicht immer Verständnis dafür zeigt. Weiterzustillen ist zwingend nötig. Es ist so beruhigend zu wissen, dass das Kind so oder so gut versorgt ist, auch wenn es mal einen schlechten Esstag hat! In diesem Zusammenhang finde ich die Seite www.stillkinder.de sehr hilfreich.

Restaurant: Vor einer Woche waren wir das erste Mal zusammen im Restaurant essen. Vorher hat Maike geschlafen, wir bestellten das Essen und schoben mit dem schlafenden Kind noch ein bisschen draußen umher. Als das Essen da war, bekam sie von uns beiden etwas auf ihren Extrateller und genoss das Essen wie wir in vollen Zügen. Es war eine wundervolle Erfahrung, die wir noch heute nachwirkend genießen. Das Kind aß recht viel und zeigte Interesse an allem, was auf dem Teller lag. Nebenbei genossen wir den Blick auf den Fluss, und am Schluss konnte Maike noch etwas herumkrabbeln, was bei dem vielen Raum und wenigen Gästen gut ging.

Allergien: Häufig werde ich kritisch gefragt, ob ich denn nicht etwas leichtsinnig sei, dem Kind so früh Erdbeeren, Himbeeren, Haselnussmus etc. zu geben. An dieser Stelle kann ich dann auf die erfolgreiche weitere Forschung in diesem Bereich hinweisen, die besagt, dass das gleichzeitige Stillen die Wahrscheinlichkeiten der Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien erheblich reduziert (vgl. www.stillkinder.de). Maike zeigt im Übrigen kaum Hauterscheinungen bei säurehaltigem Obst und auch ihr Windelbereich ist recht unempfindlich, egal, was sie isst.

Unser Resultat bis hierher ist also sehr positiv, und wir freuen uns doppelt, denn auch wir profitieren von dem gesünderen Essen, das nun immer frisch und abwechselungsreich gekocht wird. Wir haben schon vorher abends stets gekocht, aber ich achte nun noch mehr darauf, alles besonders frisch und immer verschiedene Dinge auf den Tisch zu bringen. Nachtisch in Form von frischem, saisonalem Obst und Beeren ist mir dabei besonders wichtig. Sollte Maike das aktuelle Gericht nicht so gern essen, hat sie immer noch den Nachtisch, und Erdbeeren oder Himbeeren gehen immer hinein, egal wie „satt“ sie sich vorher schon gezeigt hatte.

Wir machen so weiter und genießen die schönen Stunden des gemeinsamen Essens!

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