So, in letzter Zeit hat sich mal wieder einiges getan!

Ich habe endlich rausgekriegt, wie lange ich Paprika dampfgaren muss, damit Tobias auch was davon abkriegen kann und nicht nur zahnlos drauf rumnagt – leider sieht die Paprika in dem Zustand auch etwas schlappi aus, das Zielen zum Mund muss neu geübt werden…

Verdauungsgeschichten

Jetzt ist es wieder gut, aber für etwa zehn Tage hatte Tobias Durchfall und war in der Zeit auch etwas quäkiger als sonst. Ich war darauf vorbereitet, dass das im Rahmen der Umstellung der Darmflora passieren kann, hätte es aber eher später erwartet, wenn er mehr wirklich isst. Nun, schauen wir mal, ob wir die Sache damit endgültig hinter uns haben. Jedenfalls ist der Geruch der Windeln nicht mehr ganz so harmlos leicht-säuerlich wie „früher“.

Was man auch erkennt, ist, dass der Darm das Gemüse nicht komplett verdaut. Okay, gibt’s bei Erwachsenen auch (ich sach nur, die Haut von Tomaten), fällt bei Tobias im Moment aber mehr auf. Gill Rapley schreibt ja, dass der Darm erst „lernen“ muss, mit dem festen Essen umzugehen. An anderer Stelle (Herbert Renz-Polster: Kinder verstehen – oder war es doch Remo Largo: Babyjahre?) habe ich aber gelesen, dass man die so genannten Drei-Monats-Koliken nicht damit erklären könne, dass der Darm noch reifen muss, alle Enzyme seien von Geburt an vorhanden. Nun weiß ich also nicht so ganz, was ich da glauben soll. Auf jeden Fall gehe ich davon aus, dass das Gemüse in Tobias‘ Verdauungstrakt auf die Dauer noch besser aufgespalten wird und dass er keinen wesentlichen Nachteil davon hat, dass sein Essen nicht püriert ist – bloß, weil man die Stückchen noch erkennen kann, ist ja nicht gesagt, dass der Körper püriertes Essen aufgenommen hätte. Immerhin sind auch im Speichel Verdauungsenzyme, mit denen kommt püriertes Essen kaum in Kontakt, weil man das ja gleich schlucken kann. Sollte das Essen allerdings noch in diesem recht wenig veränderten Zustand wieder unten rauskommen, wenn er so zehn/elf Monate alt ist, würde ich mir da schon mehr Gedanken drüber machen.

Gemüsesorten

Ich habe mal darüber nachgedacht, welche Gemüsesorten es so gibt und welche davon Tobias schon kennt. Ich war mir gar nicht bewusst, wie eingeschränkt mein Horizont war. Jetzt jedenfalls ist der Stand so, dass Tobias schon folgende Gemüsesorten kennt oder zumindest einmal probiert hat:

Kartoffeln, Möhren, Zuckerschoten, Paprika, Broccoli, Zucchini, Kohlrabi, Champignons, Austernpilze, grüne Bohnen, Blattspinat.

Und das hier soll er im weiteren Verlauf möglichst noch kennenlernen:

Fenchel, Avocado, Aubergine, Blumenkohl, Weißkohl, andere Bohnensorten, Gurken, Pastinaken, Topinambur, Tomaten, Süßkartoffeln, Sellerie, Porree, Chicorée, Kürbis. Bohnenkeimlinge? Sprossen, z.B. Kresse?! Bambussprossen?

Da haben wir ja noch einiges vor uns.

Ich verfolge ja die Philosophie, Tobias die Nahrungsmittel erst „einzeln“ kennenlernen zu lassen, wobei mir klar ist, dass das im Sinne von BLW nicht erforderlich wäre. Als wir Pfingsten bei meinen Eltern waren, hat er einfach mit“gegessen“, was es halt gerade gab, Fisch, Ciabatta, Erdbeeren… Letztere sind übrigens hervorragend geeignet, die Farbe des Hochstuhl-Sitzkissens zu verändern! Überhaupt kam meine Mutter ja zu dem Schluss, Tobias esse ja schon recht manierlich, wenn man mal davon absehe, dass wir danach immer eine halbe Stunde unter dem Tisch rumkriechen (um die Spuren zu entfernen). Nun, es ist zwar keine halbe Stunde, aber ein gewisser Aufwand ist schon damit verbunden, und ob es sich vom Zeitaufwand her so richtig rentiert, BLW und nicht Breichenfüttern zu machen, weiß ich nicht. Ich habe ja jetzt das System entwickelt, Tobias nach dem Essen für kurze Zeit in die Wippe zu setzen, von wo aus er gespannt die Fische im Aquarium beobachtet. Das führt dazu, dass er noch kurz aufrecht sitzt und letzte kleine Speisereste im Mund gefahrlos runterschlucken kann (nachdem ich seinen Mundraum auf größere Brocken kontrolliert habe), während ich nach ihm auch seinen Essplatz säubere.

 Mundraumkontrolle

Das mit der Mundraumkontrolle ist besonders wichtig, wenn man Nahrungsmittel isst, die im Mund einen eher klebrigen Brei ergeben – neulich aß ich zusätzlich zu dem Gemüse, das ich mit Tobias geteilt habe, ein Vollkornbrot mit Sonnenblumenkernen und Hartkäse, für das Tobias sich sehr interessierte. Nachdem ich mich erinnerte, dass mein Kinderarzt gesagt hatte, dass Getreideprodukte nach dem sechsten Monat erlaubt sind, habe ich ihm ein bisschen abgegeben. Er fand es toll, aber der Gaumen war nachher halbwegs zugekleistert.

 Erster Joghurt

Gestern und heute hatte Tobias beschlossen, dass Essen evtl. doch eher dazu da ist, ausschließlich die Handmotorik zu trainieren – zur Ungeduld seiner Mutter. Heute gab es Fisch und Blattspinat, während Tobias noch schlief. Ich habe ihm ein bisschen übergelassen, und als er wieder wach wurde, es ihm fast kalt vorgesetzt. Er hat auch gleich angefangen damit zu hantieren, es aber nicht zum Mund geführt. Mein Mann hat sich dann dazugesetzt und Joghurt zum Nachtisch gegessen. In den letzten Tagen hatte ich Tobias öfters einen Löffel zum Spielen gegeben, den er auch immer mal wieder in den Mund genommen hatte. Also holte ich ihm jetzt etwas Naturjoghurt, in den ich seinen Löffel tunkte und ihm den dann hinhielt. Und tatsächlich: er probierte und fand Joghurt offenbar lecker, denn danach habe ich den Löffel noch ein paar Mal nachladen dürfen. Okay, es ist nicht alles im Mund gelandet…

Ich habe den Löffel auch immer nur in den Joghurt getunkt und danach abtropfen lassen, da Tobias ohnehin noch nicht raushat, wie man das Zeug aus der Mulde im Löffel oben rausholt. Aber ansonsten war ich recht begeistert, auch, als er dann mit seinen gut sieben Monaten etwas Spinat mit Daumen und Zeigefinger vom Tisch nahm. Okay, okay, der Mittelfinger hat die Bewegung mitgemacht und nur nichts abbekommen, es war also kein echter Pinzettengriff, schon klar.

 Gedanken über’s Trinken

Als nächstes möchte ich Tobias die Möglichkeit geben zu lernen, wie man aus einem Becher trinkt. Gill Rapley empfiehlt ja, daheim auf diese Trinklernbecher zu verzichten, da die Babys so schneller das „richtige“ Trinken lernen sollen. Tatsächlich ist es ja so, dass z.B. die Trinklernserie von NUK, wenn ich mich recht entsinne, dem Baby beibringen soll, den Mund zum Trinken nach und nach breiter aufzumachen. Das ist bei gestillten Babys aber eigentlich ohnehin der Fall, so dass die Umstellung einem Stillbaby (oder einem Baby, das länger gestillt worden ist) leichter fallen sollte. Ich habe jetzt jedenfalls so einen Trinklernbecher mit breitem Boden ohne Aufsatz bestellt und bin gespannt auf die Dinge, die da kommen sollen. Mit einem kleinen Plastikbecher hat Tobias schon mehrfach über der Spüle ausprobiert, was passiert, wenn man ihn kippt, wenn Wasser drin ist. Und einmal hat er meinen 0,5 Liter-Teebecher mit zwei Händen gegriffen (nein, den habe ich da nicht losgelassen!) und sich zum Mund geführt, ohne dass die Bewegung von mir vorgegeben war, und dann gekippt, so dass er den letzten Tropfen von meinem Tee ergattert hat, das fand ich echt klasse.

 Fleisch und Kartoffeln

Ansonsten gibt es noch zu berichten, dass mir klar geworden ist, dass ich anfangen muss, von der Obst- und Gemüsediät wegzukommen, der Junge braucht Eisen. Natürlich kann man das auch mit einer vegetarischen Ernährung versuchen, da ich aber selbst kein Vegetarier bin, habe ich auch nicht vor, Tobias so zu erziehen, hätte auch gar nicht genügend Kenne zu diesem Thema. Also habe ich beim letzten Mal, als ich Frikadellen gemacht habe, ein paar davon als Sticks geformt, und siehe da, Tobias fand sie klasse. Wir haben keine Fotos davon gemacht, wie er sie isst, aber von dem Teller mit dem Essen gibt’s eins:

Die Kartoffeln gehören zu den letzten (zu) kleinen, die wir noch hatten. Ich habe sie Tobias einfach hingelegt, eine Herausforderung neben mindestens einer machbaren Aufgabe ist ja erlaubt. Ihr hättet erleben sollen, was das für eine Aufregung gab! Tobias stand die meiste Zeit in seinem Hochstuhl, nachdem ich ihm die Kartoffel vorgelegt hatte, hatte den Mund geschlossen (und noch Hackfleischreste drin) und lautierte fast unablässig, während er die Kartoffel ansah. Irgendwann war er dann damit fertig, nahm sie und zerquetschte sie. In diesem Zusammenhang wurde auch getestet, dass Kartoffelreste viel schöner fliegen, wenn man sie nicht durch einfaches Öffnen der Hand los wird, sondern indem man mit der Hand gegen die Tischkante haut. (Aus Tobias‘ Forschungstagebuch: Wiederholung dieses Experiments zur Sicherung des Ergebnisses erforderlich!)

Nachtrag: Am übernächsten Tag hat er mit der letzten kleinen Kartoffel lange experimentiert, wie sie am besten zu greifen ist. Der Versuch, von ihr abzubeißen, scheiterte letztendlich daran, dass seine Finger immer im Weg waren, aber dass man die Hand zum Abbeißen anders drehen muss als wenn etwas aus der Hand oben rausguckt, hatte er am Ende verstanden.

So, das war’s mal wieder mit dem Abenteuer BLW mit Tobias. Insgesamt bin ich weiterhin zufrieden mit dem Verlauf und gespannt, wie es weitergeht – ich werde berichten!